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Projekt „VISCH” - im Auftrag des „Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit” (BKB)

„Visualisierte Informationen in Schulbüchern zugänglich machen” (VISCH)

Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit (BKB)

Projekt in 2 Phasen:

  1. Phase 1 (2011): Erarbeitung von Grundlagen zur Erstellung eines Leitfadens für die Zugänglichmachung visualisierter Informationen in Schulbüchern anhand exemplarischer Beispiele
  2. Phase 2 (2012): Konkrete Erstellung eines Leitfadens für Buchübertrager und Lehrer

Zieldefinition der Phase 1 (2011):
Im Rahmen der Ziele des Bundeskompetenzzentrums Barrierefreiheit (BKB) soll eine Ist-Analyse Aufschluss über die gegenwärtige Situation bei der Bereitstellung und Zugänglichmachung von visualisierten Informationen für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler geben.
Am Beispiel zweier Schulbücher aus dem Bereich Fremdsprachenerwerb Sek I und Mathematik Sek II sollen Vorschläge für die Umsetzung der visualisierten Informationen in Text oder, wenn notwendig, in taktile oder, für sehbehinderte Schüler, in vereinfachte Bilddarstellungen erarbeitet werden. Diese Bücher werden im E-Buch-Standard erstellt, sodass die Einbindung unterschiedlicher Medien jederzeit möglich ist.
Bei der Umsetzung der visualisierten Informationen arbeiten blinde und sehende Medienproduzenten und Fachlehrer eng zusammen. Darüber hinaus soll der enge Kontakt zwischen involvierten Organisationen und Schulbuchverlagen ermöglichen, geeignete Anforderungsprofile zu erstellen.
Bei der Zugänglichmachung von visualisierten Informationen und Aufgabenstellungen in Schulbüchern ergibt sich die Notwendigkeit, Bilder einerseits so zu beschreiben, dass ein schlecht oder nicht sehender Schüler einen sinnvollen Zusammenhang zu seinem Lernumfeld und -geschehen herstellen und andererseits sämtliche Aufgabenstellungen nachvollziehen und ausführen kann. Die Erarbeitung eines Leitfadens soll dazu beitragen, dass blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler möglichst bundesweit und unabhängig davon, ob sie eine Regel- oder Förderschule besuchen, gleiche Lernbedingungen vorfinden wie ihre sehenden Altersgenossen. Er soll außerdem dazu beitragen, dass die zeitnahe Erstellung von Unterrichtsmaterialien erleichtert wird und dass Lehrer und eventuell Eltern Kinder auch in der inklusiven Schule besser fördern und unterstützen können.

Relevanz des Projektes

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte” ist ein altes Sprichwort. Es soll zum Ausdruck bringen, welchen Mehrwert Bilder und graphische Darstellungen gegenüber ausschließlichem Text haben. Es bezieht sich darauf, dass komplizierte Sachverhalte oft mit einem Bild oder einer Darstellung viel einfacher erklärt werden können als mit ausführlichen Texten. Bei der Visualisierung von Informationen „… werden Details der Ausgangsdaten weggelassen, die im Zusammenhang mit der gewünschten Aussage vernachlässigbar sind. Zudem sind stets gestalterische Entscheidungen zu treffen, welche visuelle Umsetzung geeignet ist und welcher Zusammenhang gegebenenfalls betont werden soll. Visualisierungen implizieren daher stets eine Interpretation der Ausgangsdaten, werden aber auch durch textliche oder sprachliche Angaben ergänzt, um eine bestimmte Interpretation zu fördern.
Schließlich wird Visualisierung auch rein illustrativ benutzt, um etwa ein Gegengewicht zum Textkörper zu bilden, ohne eine eigene Aussage zu transportieren …” (aus Wikipedia).

Bei der Visualisierung werden also ähnliche Prinzipien angewendet wie wir sie aus der pädagogischen Arbeit mit blinden und sehbehinderten Schülern und aus der Produktion von Unterrichtsmaterialien kennen: Konzentration auf das Wesentliche, ggf. Weglassen von Details, die eine schnelle Informationsaufnahme behindern würden etc.. Aber welche Details sind bei welchem Bild unverzichtbar? Wann reicht die verbale Beschreibung oder wann müssen andere Darstellungsformen gewählt werden? Welche Orientierungshilfen können den Schülern gegeben werden?, sind nur einige Fragen.
Die Prinzipien der Zugänglichmachung von visualisierten Informationen für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler sind also von grundsätzlicher Bedeutung und gelten bundesweit, unabhängig davon, dass die Zulassung von Schulbüchern und die Festlegung von Inhalten Ländersache ist. Auch im Laufe des Projektes „Vorbereitung einer Zielvereinbarung zur verbesserten Versorgung mit Schulbuchliteratur für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler”, das vom „Bundeskompetenzzentrum für Barrierefreiheit” gefördert wird, wurde von allen Fachleuten immer wieder betont, welche zentrale Bedeutung die Zugänglichmachung visualisierter Informationen hat, um den Lernerfolg der blinden und sehbehinderten Schülerinnen und Schüler sicherzustellen. Diese Bedeutung wird durch die Einführung von zentralen Leistungsnachweisen und die verstärkte inklusive Beschulung noch erheblich steigen.
Schon heute kommt es vor, dass im Fremdsprachenunterricht an Regelschulen mit Büchern gearbeitet wird, die nur noch als Comics aufbereitet sind. Bei den bundesweit durchgeführten zentralen schulischen Lernstanderhebungen (VERergleichsArbeiten – VERA) müssen zum Teil Hörbeispielen Bilder zugeordnet werden usw.
Gleiche Schulbücher als Ausgangsmaterial sind für Lehrer und Eltern in einer inklusiven Schule aber unverzichtbar und für den Schüler wird nur so der Austausch mit seinen Mitschülern ermöglicht.

Dennoch muss dieses gemeinsame Ausgangsmaterial für blinde und sehbehinderte Schüler in besonderer Weise aufbereitet werden, damit sie die gleichen Chancen wie ihre sehenden Mitschüler haben.
Die Notwendigkeit des barrierefreien Zugangs zu Grafiken und Bildinformationen stellt sich übrigens nicht nur für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler, sondern genauso für berufstätige oder im Alter erblindete Senioren.

Projektumsetzung Phase 1 in 2011

Die Umsetzung soll in drei Teilabschnitten erfolgen:

  1. Recherche, beispielhafte Umsetzung, Aufbau Austauschplattform
  2. Erarbeitung weiterer Beispiele, Sammlung und Austausch auf einer geschützten Plattform
  3. Vorstellen der Ergebnisse als Grundlagen für einen Leitfaden in einer Abschlussfachtagung und Veröffentlichung auf der BKB-Homepage
Zeitplan Projektumsetzung Phase 1 in 2011
Zeitplan in Monaten Kurzbeschreibung Projektteilabschnitt Ergebnisse
3 Recherche, Eröffnungstagung Protokoll Eröffnungstagung, Homepage
4 Erarbeitung von Beispielen, Sammlung und Austausch auf einer geschützten Plattform Geschützte Internetplattform mit Beispielen
2 Vorstellen der Ergebnisse in einer Abschlussfachtagung und Dokumentation Protokoll Abschlussfachtagung, Dokumentation „Grundlagensammlung”

Teilabschnitt 1: Recherche, Eröffnungstagung

Beginnend mit der Recherche nach bisher genutzten Möglichkeiten (best practice) und nach vorhandenen Materialien im nationalen und internationalen Bereich, soll in einer Eröffnungstagung/Workshop mit Expertinnen und Experten aus der Bundesfachkommission für Lehr- und Lernmittel für blinde Schülerinnen und Schüler, Medienzentren und Blindenbüchereien (MEDIBUS), der Selbsthilfeverbände, dem Verband der Blinden- und Sehbehinderten-Pädagogik e.V. sowie Schulbuchverlagen exemplarisch über Möglichkeiten der Verbalisierung von Bilddarstellungen gesprochen und Lösungsvorschläge aus der Praxis vorgestellt werden.

Teilabschnitt 2: Erarbeitung von Beispielen, Sammlung und Austausch auf einer geschützten Plattform

Aufbauend auf die Zwischenergebnisse aus dem Teilabschnitt 1 sollen weitere Beispiele erarbeitet und gesammelt werden. Diese werden den beteiligten Expertinnen und Experten auf einer mit Passwort geschützten Internetseite zur Verfügung gestellt. Dort erfolgt auch ein gewünschter, reger Ideenaustausch mit Vorschlägen von Alternativlösungen. Hier sollen Schwierigkeiten der Zugänglichmachung von visuellen Inhalten dokumentiert und nach Lösungsansätzen gesucht werden.

Teilabschnitt 3: Vorstellen der Ergebnisse als Grundlagen in einer Abschlussfachtagung und Dokumentation

In einer Abschlussfachtagung sollen die Ergebnisse von Referenten zusammengefasst und vorgestellt werden.
Ziel ist es, Grundlagen für einen Leitfaden zu erarbeiten. Die Ergebnisse werden dokumentiert.

Vorausschau auf Phase 2 (2012): „Entwicklung des Leitfadens”

In Phase 2 wird auf der Basis der von Experten zusammengestellten Grundlagen der eigentliche Leitfaden entwickelt. Der Leitfaden wird aus einem allgemeinen Teil bestehen, der Grundprinzipien der Bildbeschreibung darstellt. Zusätzlich werden fächerspezifische Leitlinien zusammengestellt.
Dieser Leitfaden soll den Buchübertragern in den Druckereien und Medienzentren in Zusammenarbeit mit den Sonderpädagogen Hilfestellungen geben und Beispiele aufzeigen, die sie entweder 1:1 oder abgewandelt in ihrer Arbeit der barrierefreien Umsetzung anwenden können. Dadurch kann die Qualität der Umsetzung gesteigert werden und die Übertragung ggf. schneller und dadurch auch kostengünstiger erfolgen.

Die Erstellung eines solchen Leitfadens ist sehr aufwändig und bedarf der Zusammenarbeit vieler Experten. Eine Realisierung scheiterte bisher nicht zuletzt an den Kosten.
Ein Leitfaden ist inzwischen aus 2 Hauptgründen unumgänglich.
Zum einen werden Schulbücher und Prüfungsunterlagen verstärkt mit visualisierten Aufgabenstellungen versehen, es gibt keine Bücher mehr ohne.
Zum anderen besuchen inzwischen viel mehr Schülerinnen und Schüler die Regelschule mit steigender Tendenz durch die inklusive Beschulung.

Der große Vorteil der Projektdurchführung durch die Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista) liegt in der Vielzahl der vorhandenen Kompetenzen. So finden sich in der blista neben Sonderpädagogen und Fachlehrer unterschiedlichster Richtungen in der Carl-Strehl-Schule auch Buchübertrager in Braille-Druckerei und Medienzentrum.
Wenn der Leitfaden gelingt, so kann er künftig auch für Lehrer in der inklusiven Beschulung hilfreich sein und die Arbeit von Personen außerhalb der „community” unterstützen, z.B. für die Erstellung von Alternativtexten auf Websites.
Eine Detailplanung kann erst im Laufe der Phase 1 erfolgen.

Download VISCH Leitfaden

VISCH Leitfaden mit Beispielen, barrierefreie pdf-Datei zum Herunterladen (Dateigröße ca. 3 MB)

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